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Tage des Gedenkens der JLS: Auschwitz, Cap Arcona, Zeitzeugengespräch und Marktplatz der Erinnerungen

„Niemals vergessen“ – Bewegende Gedenkveranstaltungen an der Jacob-Lienau-Schule

Die Jacob-Lienau-Schule hat in den vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig und tiefgehend Erinnerungskultur im Schulalltag verankert sein kann. In einer Reihe von Gedenkveranstaltungen und Projekten setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander. Die Erfahrungen hinterließen sichtbare Spuren: Betroffenheit, Nachdenklichkeit und ein gewachsenes Bewusstsein für Verantwortung prägten die gesamte Schulgemeinschaft.

Eindrücke, die bleiben: Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz

Ein besonders prägender Moment war die Abschlussfahrt der Klasse 9d nach Krakau mit dem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers KZ Auschwitz. Während einer eindrucksvollen Führung erhielten die Schülerinnen und Schüler einen unmittelbaren Einblick in das unvorstellbare Leid der Opfer. Sie betraten die Baracken, in denen Menschen unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten, sahen die Gaskammern, in denen unzählige Menschen mit Zyklon B ermordet wurden, und standen vor erschütternden Sammlungen persönlicher Gegenstände – Brillen, Haare und Gepäckstücke, die von den Opfern zurückblieben. Die Begegnung mit diesem historischen Ort ging allen tief unter die Haut. Viele Schülerinnen und Schüler waren sichtlich bewegt und setzten sich noch lange nach der Rückkehr intensiv mit den Eindrücken auseinander. Zum Gedenken an die Opfer legte die Klasse 9d einen Kranz nieder – ein stiller, aber bedeutungsvoller Moment des Erinnerns.

Gemeinsames Gedenken: 81. Jahrestag der Cap-Arcona-Katastrophe

Am 3. Mai nahmen Teile der Schulgemeinschaft an der zentralen Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Bombardierung der Häftlingsschiffe Cap Arcona und Thielbek teil. Auf dem Ehrenfriedhof in Neustadt in Holstein wurde in einer würdevollen Zeremonie an die rund 7000 Opfer erinnert, die am 3. Mai 1945 ihr Leben verloren. Schülerinnen und Schüler der Jacob-Lienau-Schule gestalteten gemeinsam mit dem Küstengymnasium das musikalische Programm. Besonders eindrucksvoll war die Eröffnung durch das Lied „Die Moorsoldaten“, das die Zuhörenden spürbar berührte. Zum Abschluss erklang „Blowin’ in the Wind“ von Bob Dylan – ein kraftvolles Zeichen für Frieden und Menschlichkeit. Ein emotionaler Höhepunkt war die Kranzniederlegung durch zwei Schülerinnen der Klasse 10a. Mit weißen Rosen gedachten sie der Opfer und setzten ein stilles, aber starkes Zeichen der Verbundenheit. Die Redebeiträge hochrangiger Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und internationalen Gedenkorganisationen machten deutlich, wie wichtig es ist, die Erinnerung wachzuhalten. Die gesamte Veranstaltung stand unter dem Leitgedanken: „Niemals vergessen – für ein Nie wieder!“ – eine Botschaft, die von den Schülerinnen und Schülern spürbar getragen wurde.

Kreatives Erinnern: Der „Marktplatz der Erinnerungen“

Am 4. Mai verwandelte sich der Marktplatz in Neustadt in Holstein in einen lebendigen Ort des Austauschs und der kreativen Auseinandersetzung: Beim „Marktplatz der Erinnerungen“ präsentierten Schulen, Initiativen und Organisationen ihre Projekte rund um die Themen Erinnerungskultur und Demokratie. Auch die Jacob-Lienau-Schule war mit vier Klassen vertreten. Die Schülerinnen und Schüler nahmen aktiv an zahlreichen interaktiven Stationen teil und konnten sich auf ganz unterschiedliche Weise mit der Geschichte auseinandersetzen – sei es durch Musik, Kunst, Schreiben, Graffiti, Podcasts oder kreative Bauprojekte.

Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Zugänge: Jede und jeder fand einen eigenen Weg, sich dem Thema zu nähern. Die Angebote ermöglichten nicht nur neue Perspektiven, sondern auch einen nachhaltigen Wissenszuwachs. Viele Schülerinnen und Schüler zeigten sich begeistert und nahmen wertvolle Impulse für ihr eigenes Denken und Handeln mit.

Begegnung mit der Geschichte: Zeitzeugengespräch mit Renate Aris

Ein weiterer Höhepunkt war das Zeitzeugengespräch mit der Holocaustüberlebenden Renate Aris, das am 7. Mai per Livestream in der Aula der Schule stattfand. Unterstützt wurde das Gespräch durch den Autor Louis Pawellek. Die Klassen 10a, 9c und 8d verfolgten den Livestream mit großer Aufmerksamkeit. Die persönlichen Schilderungen von Renate Aris machten Geschichte auf eindringliche Weise greifbar. Ihre Worte waren bewegend, eindrucksvoll und zugleich mahnend. Im Anschluss tauschten sich viele Schülerinnen und Schüler intensiv über das Gehörte aus. Das Gespräch hinterließ einen bleibenden Eindruck und regte zum Nachdenken über Verantwortung, Menschlichkeit und Zivilcourage an. Auch die kleine Ausstellung von kleinen Briefen und Utensilien aus dem KZ Auschwitz sorgte bei der Schülerschaft für Unbehagen. So nah waren sie der Geschichte noch nicht häufig gekommen.

Die vielfältigen Gedenkveranstaltungen haben gezeigt, wie wichtig und wirkungsvoll historisches Lernen sein kann. Die Schülerinnen und Schüler der Jacob-Lienau-Schule haben nicht nur Wissen erworben, sondern auch Empathie entwickelt und Verantwortung übernommen. Die Erlebnisse – vom Besuch in Auschwitz über die Teilnahme an offiziellen Gedenkfeiern bis hin zu kreativen Projekten und persönlichen Begegnungen – haben Spuren hinterlassen. Sie haben deutlich gemacht: Erinnerung ist nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern ein Auftrag für die Zukunft. Erinnerungskultur bleibt lebendig.

05.05.2026